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TECHNISCHE UNIVERSITÄT DRESDEN Fakultät Architektur
Institut für Gebäudelehre und Entwerfen
Professur für Sozial- und Gesundheitsbauten
Prof. Dr.- Ing. Heinzpeter Schmieg
Seminararbeit
zum Vertiefungsseminar Sozial- und Gesundheitsbauten
WS 2002/2003
Bearbeiter:
Anne Kerstin Kulus (heute Hirsch)
1
Einleitung
Beim
Autismus handelt es sich um eine Krankheit, die aufgrund der zahlreichen
Verhaltenssymptome einer besonderen Betreuung bedarf. Obwohl man derzeit
nicht von einer endgültigen Heilungschance ausgeht, können doch große
Erfolge in Therapien erzielt werden. Etwa 4 bis 5 von 10.000 Menschen sind
vom Autismus betroffen. Allein in Deutschland leben circa 40.000
autistisch behinderte Menschen, von denen sich etwa ¾ im Erwachsenenalter
befinden. Vor allem für diese autistisch behinderten Erwachsenen besteht
ein Mangel an entsprechenden Wohnstätten.
Die
verminderte Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitung autistischer
Menschen führt zu ganz speziellen Ansprüchen an die Architektur ihres
Umfeldes. Diese Arbeit versucht herauszufinden, worauf bei der Planung von
Neu- oder Umbauten von Wohneinrichtungen für autistisch behinderte
Menschen besonders zu achten ist. Ausgehend von einer Analyse des
Krankheitsbildes werden anhand von Beispielen typische Probleme
bestehender Einrichtungen aufgezeigt. Dabei sollen sowohl konzeptionelle
und funktionale Aspekte untersucht werden als auch konkrete Vorschläge
zur Ausführungsplanung erarbeitet werden.
2.
Das Krankheitsbild Autismus
2.1
Autismus - Historischer Überblick zu Definition, Diagnose und Therapie
Autismus
ist nach derzeitiger Auffassung die schwere Form einer früh beginnenden
tiefgreifenden Entwicklungsstörung, die Defizite in kognitiven,
emotionalen, interaktionalen, sprachlichen und motorischen Funktionen
umfasst.[1]
Zum einen handelt es sich um ein klar umrissenes Syndrom, zum anderen
stellt die autistische Behinderung auch den Sammelbegriff für die
individuelle Kombination von Symptomen aus einem Symptomkatalog dar.
Der
Begriff Autismus wurde vom Schweizer Psychiater Eugen Bleuler 1914
erstmals begründet. Er beschrieb damit ein auf sich selbst bezogenes
Denken, dass er vor allem bei Schizophrenen beobachtet hatte.
Zur
Zeit des zweiten Weltkrieges wurde die Krankheit Autismus, wie man sie
heute definiert, erstmals beschrieben. Parallel zueinander führten Leo
Kanner und Hans Asperger Untersuchungen von Kindern durch, die durch
Kontaktstörungen und starke Bezogenheit auf sich selbst auffielen. Kanner
nannte dieses Erscheinungsbild „frühkindlicher Autismus“ und Asperger
„autistische Psychophatie“. Es ist nicht anzunehmen, dass sie von
ihren jeweiligen Veröffentlichungen wussten, da aufgrund des Krieges eine
Kommunikation äußerst schwierig war.
Erst
Ende der vierziger Jahre wurden die Untersuchungsergebnisse in Europa
bekannt. Das Interesse stieg vor allem seit den 60iger Jahren rapide. Zunächst
erfolgte jedoch lediglich der Versuch der Diagnose sowie einer
Ursachenforschung. Therapeutische Maßnahmen bezogen sich nur auf
Konditionierungsversuche. Im Laufe der Zeit entwickelte sich ein breit gefächertes
Behandlungsangebot. Neben psychotherapeutischen und heilpädagogischen Maßnahmen
werden auch sogenannte Außenseitermethoden angewendet, deren Wirkung zum
Teil umstritten ist. Hat man noch in den 70iger Jahren angenommen, dass
vor allem das Umfeld und das Elternhaus für die Ausprägung des Autismus
verantwortlich sind, so geht man heute davon aus, dass eine Schädigung
der Nervenbahnen und damit der Informationsverarbeitung vorliegt.
In
der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD- 10) wird
Autismus folgendermaßen beschrieben:
„Eine
tiefgreifende Entwicklungsstörung, die durch eine abnorme oder beeinträchtigte
Entwicklung definiert ist und sich vor dem 3. Lebensjahr manifestiert. Außerdem
ist sie durch eine gestörte Funktionsfähigkeit in den drei folgenden
Bereichen charakterisiert: in der sozialen Interaktion, der Kommunikation
und in eingeschränktem repetitivem Verhalten. Die Störung tritt bei
Jungen drei- bis viermal häufiger auf als bei Mädchen.“
2.2
Symptomatik
Die
Symptomatik des autistischen Syndroms ist vielfältig. Zahlreiche
Verhaltenseigentümlichkeiten entwickeln sich auch bei normalen Kindern,
klingen jedoch nach einem gewissen Zeitraum wieder ab. Bei Autisten jedoch
passen sie häufig nicht zum sonstigen Entwicklungsstand. Auch wenn Kanner
und Asperger einander ähnliche Syndrome beschrieben haben, so
unterscheiden sich diese jedoch im Detail. Die zeitliche Reihenfolge der
Verhaltensauffälligkeiten ist für autistische Kinder sehr
charakteristisch. Die ersten Symptome werden meist vor dem 30. Lebensmonat
beobachtet.
Kanner
unterscheidet
zwei Grund- und vier Sekundärmerkmale:
„Grundsymptome:
- Erstes Auftreten
in der frühesten Säuglingsentwicklung
- Verzögerung in
der Sprachentwicklung
Sekundärsymptome:
- Positive
Einstellung der Kinder zu Gegenständen
- Beeinträchtigung
der kognitiven Fähigkeiten
- Motorische Auffälligkeiten
- Die Unfähigkeit,
zu Menschen und in Situationen normale Beziehungen aufzunehmen“3
Asperger
diagnostiziert das Verhalten als „autistische Psychopathie“ die ab dem
dritten Lebensjahr auftritt. Er stellt die folgenden Merkmale fest:
- „Hemmungen im
emotional- affektivem Bereich
- Tendenz zur
Abkapselung und Selbstisolierung
- Frühe und
besondere Fähigkeiten im Sprachschöpferischen Bereich, gleichzeitig aber
Störungen in der Sprache als Kommunikationsmittel
- Abweichen des
Denkens vom praktischen Handeln
- Motorische
Stereotypien
- Durchschnittliche
bis überdurchschnittliche Intelligenz
- Probleme im Trieb-
und Gefühlsleben“
Heute
unterscheidet man die Krankheitsbilder zwischen den Asperger- Autisten und
jenen, die nach Kanner beschrieben werden. Dabei wird das Asperger-
Syndrom als eine Sonderform der autistischen Störung gesehen.[1]
2.3
Weitere typische
Erscheinungen
Besonderheiten
der Sprache
Nach
Kehrer sind 40% der autistischen Menschen mutistisch. Sie sprechen also
gar nicht. Aber auch die restlichen zeigen häufig Sprachabnormalitäten.
Besonders oft tritt die Echolalie auf, bei der Wörter oder Sätze in
gleicher Tonlage wiederholt werden. Eine weitere Spracheigentümlichkeit
ist die pronomiale Umkehr. Autisten benennen sich selbst mit „du“ oder
mit ihrem Eigennamen statt „ich“. Gelegentlich erfinden autistische
Menschen Ausdrücke oder entwickeln eine eigene, für andere nicht verständliche,
Sprache. Wörter, die mehrere Entsprechungen haben, werden falsch
angewendet oder in der übertragenen Bedeutung nicht verstanden.
Gefühlswelt
Die
Gefühlswelt autistischer Menschen ist für Außenstehende wenig
nachvollziehbar. Ein Lachen bedeutet nicht unbedingt Fröhlichkeit und
Weinen ist nicht immer Ausdruck von Schmerz und Leid.
Während
viele Autisten meist fröhlich und guter Stimmung sind, treten bei anderen
häufig Schwankungen auf, die auch von Umwelteinflüssen abhängig sein können.
So werden Phasen von besonderer Reizbarkeit, schlechtem Befinden und ungenügendem
Schlaf beobachtet.
Intelligente
Autisten erkennen, dass sie anders als die Menschen ihrer Umgebung sind
und leiden zum Teil darunter.
Sonderleistungen
Autisten,
deren Intelligenz im Bereich der Norm oder der Lernbehinderung liegt,
zeigen häufig auffällige Sonderleistungen auf Spezialgebieten, so zum
Beispiel musikalische Sonderbegabungen. Es erfolgt ein schnelles Lernen
von Melodien und deren Einordnung nach Komponisten beziehungsweise
Gruppen. Viele Autisten spielen Instrumente und haben sich dies auch
selbst beigebracht. Das lässt sich besonders bei der Musiktherapie
nutzen.
Des
Weiteren sind Sonderleistungen auf dem Gebiet des Gedächtnisses zu
nennen. Es wird in der Literatur häufig auf das sogenannte Kalendergedächtnis
hingewiesen. Hierbei handelt es sich um ein Phänomen, bei dem Menschen in
der Lage sind, nach wenigen Sekunden zu jedem beliebigen Datum den
entsprechenden Wochentag zu nennen. Andere können einen Text nach kurzem
Lesen fehlerfrei wiedergeben- ohne jedoch den Inhalt zu verstehen.
Häufig
zeichnen und malen autistische Kinder anders. Zum einen ist der Inhalt
merkwürdig, zum anderen erfolgt das Zeichnen sekundenschnell. Dabei
fixieren sie wie auch bei anderen Handlungen den Stift nicht. Scheinbar
ist das Sehen mit der Macula, dem Punkt des schärfsten Sehens, nicht so
wichtig.
Essstörungen
Autistisch
behinderte Menschen haben oft Probleme mit der Nahrungsaufnahme und
Darmentleerung. Beispielsweise erfolgt ein mangelhaftes Kauen oder es
treten eigentümliche Essvorlieben auf, die selbst das Verschlingen von
nicht essbaren Dingen beinhalten.
Aber
auch die Ausscheidung der Nahrungsmittel kann gestört sein. Der Stuhl
wird ohne ersichtlichen Grund zurückgehalten und viel zu selten entleert.
Eine verminderte Wahrnehmungsverarbeitung, sowohl von Reizen aus der
Umwelt als denen des eigenen Körpers, scheint hierfür der Grund zu sein.
Das Toilettentraining stellt häufig einen wesentlichen Therapieschritt
dar.
Epileptische
Anfälle
Autistische
Menschen sind körperlich gesund. Jedoch sind epileptische Anfälle verhältnismäßig
häufig anzutreffen. Gelegentlich werden sie schon im Säuglings- oder
Kleinkindalter beobachtet. Oftmals treten sie aber erst nach der Pubertät
in Erscheinung. Alle Arten von epileptischen Anfällen sind vorzufinden.
Die Häufigkeit steigt mit zunehmenden Alter. Bei geistig schwerer
behinderten Autisten kommen sie häufiger vor als bei den übrigen.
Autoaggression
und Aggression
Aggressives
Verhalten autistischer Kinder und Jugendlicher unterscheidet sich von dem
der normalen Kinder. Es gibt meist keine erklärbaren Gründe. Die
Aggression ist völlig unberechenbar. Des Weiteren richtet sie sich auch
gegen Personen, die dem Autisten besonders nahe stehen oder sogar gegen
die eigene Person. So schlagen sich autistisch behinderte Menschen zum
Beispiel gegen den Kopf oder gegen andere Körperteile. Auch das Sich- Beißen
oder Sich- Kratzen kann zu schweren Verletzungen führen und hinterlässt
Wunden, die nur schwer heilen. Häufig werden bestimmte Stereotypien
ausgeführt- gleichbleibende Bewegungen die dann zu erheblichen
Verletzungen führen können. Erklärt wird dies in der Fachliteratur als
besondere Art der Selbststimulation.
Manche
Kinder zerstören plötzlich Spielsachen und Möbel oder wenden sich
aggressiv gegen andere. Es fehlt ein Gefühl für die Stärke und Kraft
der eigenen Handlung oder die Einsicht, dass man dem anderen Schmerzen zufügt.
Auch wohlgemeinte Zärtlichkeiten des Autisten können schnell schmerzhaft
werden. Besonders die Dauer der Handlungen ist auffallend. Manche schlagen
oder beißen sich stunden- und tagelang.
Autisten
scheinen weniger schmerzempfindlich zu sein als andere Menschen.
3.
Therapie
3.1 Ziele einer Therapie
Autistische
Menschen entwickeln häufig keine eigene Identität im Laufe des
Erwachsenwerdens und sind damit den Einwirkungen anderer Menschen
schutzlos ausgeliefert. Obwohl sie gelenkt und therapiert werden, erfolgt
zum Teil keine Akzeptanz der eigenen Persönlichkeit als Individuum.
Der
Alltag sowie Arbeitssituationen sollten eine spezifische Struktur
aufweisen, die aggressive, destruktive oder selbstverletzende Handlungen
abschwächt beziehungsweise verhindert.
Ziele
der Therapie sind unter anderem[1]:
-
Selbstständigkeit und Selbstversorgung
- Normen der
sozialen Interaktion erkennen, andere Menschen tolerieren,
das
eigene Verhalten auf die Aktivitäten der Gruppe abstimmen
- Tageslauf-
Rhythmus als Struktur übernehmen
- Sich außerhalb
des Heims in den Einrichtungen des sozialen Umfeldes angemessen verhalten
- Für die eigene
Freizeitgestaltung Aktivitäten/ Tätigkeiten entwickeln,
die
nicht überwiegend stereotyp, selbststimulatorisch oder zwanghaft sind
- Mit den eigenen
Emotionen und Impulsen umgehen können,
- Lernen, Wünsche
und Bedürfnisse so zu äußern, dass sie von den anderen Menschen
verstanden werden können;
- Lernen, eigene
Emotionen und Impulse im Hinblick auf den sozialen Kontakt zu
kontrollieren
und
ihnen nicht einfach freien Lauf zu lassen ohne Rücksicht auf das soziale
Umfeld
- Den Sinn der
Arbeit allmählich erkennen, mit anderen zusammen arbeiten
Die
folgende Tabelle zeigt eine Aufstellung der verschiedenen
Verhaltensprobleme autistischer Menschen und deren Behandlungsmaßnahmen
entsprechend den Angaben Kehrers[2].
|
Problem
|
Lösung/ Maßnahme
|
|
1.Soziale Isolation
|
Geplantes Angebot von strukturierten Interaktionen
|
|
2. Mangel an Reaktionsvermögen
|
Üben des Blickkontakts/ Aufmerksamkeits- Interaktionstherapie
(u.a. mit Imitation des Kindes)
|
|
3. Mangel an Verständnis der Umwelt
|
Vereinfachtes Angebot von Gegenständen und Räumlichkeiten in
Einzeltherapie
|
|
4. Mangel an Verständnis der sozialen Situation
|
Vorsichtiges Heranführen an Partner in einfachen
Spielsituationen
|
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|
a) Mangel an Sprachverständnis
|
|
|
b) zu geringer Wortschatz
|
Verbale Sprachanbahnung über Imitationstraining,
|
|
c) mangelnde allgemeine Sprachkompetenz
|
Aufbau von Zeichensprache
|
|
d) mangelnde Kommunikationssprache
|
Sprachtraining im Dialog (evtl. Rollenspiel)
Einüben von Grußformeln, Höflichkeitsbezeugungen, Fragen,
Antworten usw.
|
|
6. Unvollkommene Motorik
|
Krankengymnastik, Mototherapie
(evtl. basale Stimulation)
|
|
7. Stereotypien
|
Verstärkung nicht- stereotypen Verhaltens
Allmähliches Überführen in sinnvolle Handlungen
|
|
8. Mangel an Eigenantrieb und Initiative
|
Strukturelles Lernen, Auffordern zu Handlungen, die Freude machen
|
|
9. Aggressivität
|
Manipulation der Vorstadien
|
|
10. Autoaggressivität
|
Verhindern von Verletzungen durch (Teil-) Fixierung und
Abschirmung (Helm), Musik-/ Körpererfahrungstherapie, Verändern
des aktuellen Milieus
|
|
11. Mangelnde Selbstständigkeit
|
Training der notwendigen Fähigkeiten
|
|
12. Mangelndes Spielverhalten
|
Allmählicher Aufbau von strukturiertem Spiel
|
|
13. Mangelndes Gruppenverhalten
|
Spiele mit einem Partner in kleinen Schritten auf zwei, drei,
vier erweitern
|
|
14. Einnässen, Einkoten
|
Systematisches Training
|
|
15. Zwänge, Rituale
|
Abbau durch systematische Verstärkung nicht zwanghaften
Verhaltens
|
|
16. Störendes Verhalten
a) in der Familie und Schule
|
Manipulation der Vorstadien
Time out
Beschäftigung mit Handlungen, die Freude
machen
|
|
b) außerhalb der elterlichen Wohnung
|
Allmähliche Gewöhnung an fremde Umgebungen
(Geschäfte, Restaurants,...)
|
|
17. Mangelnde Kulturtechniken
|
|
Tab.1 Autistische Verhaltensprobleme und deren
Behandlungsmethoden
1.2 Ort der Therapie
Der Ort der Therapie kann sehr vielfältig
sein und muss für jeden autistischen Menschen individuell ausgewählt
werden. Es können eigens dafür errichtete Therapiezentren ambulant
aufgesucht werden oder Therapieangebote in den Wohneinrichtungen
wahrgenommen werden. Außerdem ist es auch möglich, die Therapie im
Elternhaus durchzuführen.
Im Kapitel 4.2 wird auf die
unterschiedlichen Therapie- beziehungsweise Wohnformen näher eingegangen.
1.3 Behandlungsmethoden
Derzeit werden zahlreiche Therapieformen
zur Behandlung des autistischen Syndroms angeboten. Trotz der Vielfalt
kann man von keiner sagen, sie sei hundertprozentig wirksam. Vielmehr müssen
Eltern, Betreuer und falls möglich der Betroffene selbst entscheiden,
welche Therapie die jeweils Erfolg versprechendste ist. Oft wird eine
Kombination mehrerer Therapien gewählt. Nicht zu übersehen ist jedoch
der kommerzielle Aspekt mancher Angebote. So geraten einige Therapien, die
noch vor einigen Jahren gelobt worden, wegen mangelnder wissenschaftlicher
Belege der Wirksamkeit in die Kritik.
Im folgenden möchte ich einige der
bekanntesten Therapieansätze nach Angaben von Michaela Weiß darstellen.
Biochemische Behandlungsansätze[3]
Biochemische Behandlungsansätze
beinhalten beispielsweise die Medikation, die Diät sowie die Vitamin- und
Mineralstofftherapie.
Grundgedanke der Medikation ist, dass das von autistischen Menschen gezeigte
Verhalten mit biochemischen Störungen in Beziehung steht. Aufgrund der
pharmatherapeutischen Mittel werden die klinischen Symptome verbessert
oder aufgehoben. Nach allgemeiner Auffassung stellt diese Therapieform
jedoch keine Heilungsmöglichkeit dar, sondern fördert lediglich andere
Therapien. Der autistische Mensch wird aufmerksamer, die motorische Unruhe
wird vermindert.
Beim Ansatz der Diät dagegen wird davon ausgegangen, dass bestimmt Nahrungsmittel
oder Nahrungsmittelzusätze im Nervensystem beziehungsweise Gehirn
allergische Reaktionen hervorrufen. Mit Hilfe von Beobachtungen des
Essverhaltens versucht man, diese Stoffe herauszufinden und anschließend
in einer Diät zu meiden. Die Wirksamkeit dieser Therapie wird in der
Fachliteratur nicht angezweifelt, sie ist jedoch auch nicht erwiesen.
Die Vitamin-
und Mineralstofftherapie sieht die Ursache des Autismus in
biologischen Störungen. Durch die Einnahme von Vitamin B6 erfolgt eine
Verbesserung der Bildung beziehungsweise des Stoffwechsels von
Neurotransmittern. Die Kombination mit Magnesium bewirkt eine Verhinderung
unerwünschter Nebenwirkungen. Wie bei den vorher genannten Behandlungen
ist davon auszugehen, dass die Therapie eine gute Ergänzung zu anderen
Therapien darstellt.
Verhaltenstherapeutische Verfahren
Dem Modell liegt der Gedanke zugrunde,
dass bei autistischen Menschen ein Verhaltensdefizit vorliegt, das durch
das Fehlen von erworbenen sozialen Verstärkern zustande kommt. Autismus
wird dabei nicht primär als Beziehungsstörung gesehen, sondern als Störung
der Wahrnehmungsverarbeitung. Das Verhalten wird bewusst durch der
Handlung vorausgehende und nachfolgende Eingriffe sowie Interventionen zur
Entwicklung bestimmter Fähigkeiten beeinflusst. Begründet wurde die
Therapie vor allem durch Ivar Lovaas. Derzeit stellt sie die Behandlung
mit der höchsten Erfolgsquote dar.
Therapie mit Tieren
Das sich der Umgang mit Tieren günstig
auf das Verhalten verschiedener Menschen auswirkt, ist schon länger
bekannt. Auch bei autistischen Kindern und Erwachsenen werden positive
Effekte erzielt. Allerdings fehlen zur Zeit noch die entsprechenden
wissenschaftlichen Untersuchungen.
Die Therapie mit Delfinen erfolgt meist über einen Zeitraum von zwei Wochen mit täglich
ein bis zwei Stunden Therapie. Die Delfine werden dabei als Verstärker
eingesetzt. Der Kontakt mit den Delfinen stellt eine Belohnung für
bestimmte Aufgaben dar. Weitere mögliche Wirkfaktoren sind u.a. der
Umgebungswechsel, der Aufenthalt im warmen Wasser und die Urlaubsstimmung.
Offen ist noch, inwieweit die Fortschritte auch nach der Therapie daheim
anhalten.
Bei der Reittherapie handelt es sich um eine sehr alte Behandlungsmethode
(schon 460 v.Chr. von Hippokrates empfohlen). Sowohl im körperlichen als
auch im psychisch- emotionalen Bereich werden Verbesserungen erzielt. Die
Beckenmuskulatur wird trainiert, der Rücken gestärkt sowie die Atmung
verbessert. Muskelverkrampfungen lösen sich leichter und es kommt zu
einer Verbesserung des Gleichgewichtes. Es fällt den Betroffenen zudem
relativ leicht, eine emotionale Bindung zu den Tieren aufzunehmen, wobei
vor allem Einfühlungsvermögen, Anpassungsfähigkeit, Konzentration und
Aufmerksamkeit trainiert werden.
Förderung der Kommunikation
Es gibt verschiedene Therapien die
versuchen, die stark beeinträchtigte Kommunikation autistischer Menschen
zu verbessern. Dabei handelt es sich um eines der Kernsymptome des
autistischen Syndroms.
Die Sprachtherapie
stellt einen besonders bedeutenden Faktor dar.
Ein Modell geht davon aus, dass eine
Sprechfähigkeit grundsätzlich vorhanden ist und nur geweckt werden muss.
Hier versucht man, die Kommunikation durch Therapien zu fördern.
Eine andere Theorie nimmt an, dass die
psychophysischen Voraussetzungen für die Sprache oder das Verstehen
fehlen. Es ist daher notwendig, eine Sprachanbahnung zu erwirken. Hier
werden verhaltenstherapeutische Verfahren angewendet.
Außerdem wird etwa seit den 80iger Jahren
nach alternativen
Kommunikationsformen gesucht. Vor allem für nichtsprechende Autisten
sollen sie die Kommunikation erleichtern. Unter anderem gehören Gebärdensprachsysteme,
Symbolsysteme, Handzeichen, Gesten, Bild- und Wortkarten dazu. Neben dem
Ausdrücken von Wünschen und Bedürfnissen wird gelernt, soziale Inhalte
weiterzugeben.
Um ein umstrittenes Verfahren handelt es
sich bei der gestützten
Kommunikation. Als Ursache des Nichtkommunizierens wird eine
Bewegungsstörung angesehen. Durch Stützen der Hand, des Handgelenks,
Ellbogens oder Oberarms oder auch nur durch emotionales Stützen erfolgt
eine Kommunikation mittels Computer oder Zeigen auf Symbole und
Buchstaben. Es steht jedoch in Frage, inwieweit der Stützer manipuliert.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass ohne das Mitwissen
des Stützers keine Informationen übermitteln werden konnten.
Die Musiktherapie
dient ebenfalls der Kommunikationsförderung. Man unterschiedet hier
zwischen aktiven und rezeptiven Formen. Bei der rezeptiven Musiktherapie
wird vor allem auf die Wahrnehmung des Patienten eingegangen. Es erfolgt
eine Verwendung aufgezeichneter Musik.
Im Gegensatz dazu wird bei der aktiven
Musiktherapie dazu angeregt, selbst ein Instrument zu spielen und damit
die innere Gefühlswelt auszudrücken.
Große Erfolge lassen sich nicht erzielen.
Dennoch stellt die Musiktherapie eine sinnvolle Ergänzung anderer
Therapieprogramme dar.
Beziehungsförderung
Als theoretisches Modell wird angenommen,
dass eine frühzeitig erfolgte tiefgreifende Störung der interpersonell-
affektiven Beziehungen zu den autistischen Erscheinungsformen geführt
hat. Verschiedene Therapien versuchen, den Kontakt zwischen dem
autistischen Menschen und den Mitmenschen wiederherzustellen. Der
Beziehungsaufbau wird als ganz wesentlich für die Persönlichkeitsentwicklung
angesehen. Beispielsweise sind hier die Aufmerksamkeits-
Interaktions- Therapie, das Gentle
Teaching und die Option Methode
zu nennen. (vergl. [3])
Therapie der auditiven Wahrnehmung
Autistische Menschen haben Probleme in der
Wahrnehmungsverarbeitung. Dazu gehört u.a. auch das Gehör.
Bei dem Auditory Integration Training und dem Auricula Training geht man davon aus, dass einige der
autismustypischen Verhaltensweisen damit zu begründen sind, dass der
autistische Mensch unter bestimmten Geräuschen oder Frequenzen leidet.
Diese sollen herausgefiltert werden und damit eine Besserung des
Verhaltens bewirken. Obwohl beide Therapien durchaus Erfolge erzielen, ist
vom wissenschaftlichen Standpunkt die Wirkungsweise nach wie vor ungeklärt.
Eine weitere Therapie im Bereich des Hörens
ist die Tomatis- Therapie. Sie
wurde ursprünglich nicht speziell für autistische Menschen entwickelt
sondern richtet sich generell an Menschen mit auditiven
Wahrnehmungsproblemen. Tomatis nimmt an, dass das frühe Hören im
Mutterleib durch die Knochenleitung gestört wurde, beispielsweise durch
ein Zurückbleiben der organischen Entwicklung oder durch eine Ablehnung
gegen die Stimme der Mutter. Es entsteht keine Bereitschaft zum Hören und
der Kommunikation im Allgemeinen. Durch eine Hörkur wird das gesamte
Wahrnehmungssystem wieder angeregt. Aufgrund präziseren Hörens stellt
sich laut Tomatis auch ein stabileres Selbstbewusstsein ein. Die Erfolge,
nach Tomatis werden ca. ein Drittel der Kinder geheilt, sind
wissenschaftlich nicht belegt. (vergl. [3])
Therapie der visuellen Wahrnehmung
Auch die visuelle Wahrnehmung autistischer
Menschen weist Besonderheiten auf. Die Therapie der Irlen
Lenses versucht, mit Hilfe von farbigen Brillen zu helfen.
Einige autistische Menschen haben
Schwierigkeiten, den gesamten Spektralbereich des Lichts zu erfassen. Sie
weisen eine Überempfindlichkeit gegenüber spezifischen Frequenzen des
Lichts auf, was zu Verzerrungen oder ungenauer Verarbeitung der
Sehinformation führt. Die individuell angepassten, farbigen Irlen
Lenses filtern daher einen Teil des Lichtspektrums heraus.
Untersuchung zur Wirksamkeit gibt es bisher nicht.
Körperbezogene Ansätze
Unter dieser Überschrift werden
Therapieansätze benannt, die direkt am Körper des autistischen Menschen
behandeln. Der theoretische Hintergrund ist jedoch unterschiedlich.
Nach der Theorie der Doman- Delcato- Therapie führt eine Störung der Sinnesbahnen dazu,
dass die Reize der Außenwelt nicht richtig verarbeitet werden können.
Jede Sinnesbahn kann demnach durch drei verschiedene Arten gestört sein:
„Hyper“: die Sinnesbahn ist zu weit offen, zu viele Reize gelangen zum
Gehirn; „Hypo“: die Sinnesbahn ist nicht weit offen genug und „Weißes
Geräusch“: die Sinnesbahn selbst schafft Eigenreize, die die der Umwelt
überdecken oder stören. Für jeder dieser Störungsmöglichkeiten werden
Therapien vorgeschlagen, die sich zumeist auf einfache Verhaltensmaßregeln
im Umgang mit dem Kind beziehen. (vergl. [3])
Eine andere Methode ist die Festhaltetherapie.
Sie wurde v.a. in den 80iger Jahren verstärkt angewendet und ist heute
eher unbedeutend. Theoretische Grundlage ist die Annahme, dass die Mutter-
Kind- Beziehung stark gestört ist. Dem Kind ist es nicht gelungen, ein
Gleichgewicht zwischen Liebe und Aggression zur Mutter zu entwickeln.
Durch das erzwungene, dauerhafte Halten des Kindes wird dessen Wut
provoziert. Nach der Erschöpfung des Kindes kommt es in der zweiten Phase
zu Kommunikationsangeboten, Liebkosungen und Trösten. Die Therapieerfolge
sind nicht wissenschaftlich gestützt.
Förderung sozialer Fähigkeiten sowie der Selbstständigkeit
Da Besonderheiten im Sozialverhalten
kennzeichnend für autistische Menschen sind werden auch Therapien auf
diesem Gebiet angeboten.
Die Theory
of Mind Theorie besagt, dass autistische Menschen eine Fehlentwicklung
im Bereich des kognitiven Aneignungsprozesses aufweisen. Das heißt, sie können
eigene Wünsche und Überzeugungen nicht ausdrücken und ihnen fehlt die
Vorstellung über Gedanken einer anderen Person. Dies wird in
verschiedenen Schritten geübt (vergl. [3]). Allerdings lässt sich
feststellen, dass die Kinder zwar solche Aufgaben besser lösen können,
jedoch im Alltag dennoch keine Verbesserung bezüglich der sozialen
Kompetenz zu erkennen ist.
Beim Konzept der Social Stories spielt die Ursache der Verhaltensabnormalitäten
keine Rolle. Es wird davon ausgegangen, dass in kleinen Schritten eine Veränderung
der Verhaltensmuster zu erreichen ist. Das Erzählen von kleinen
Geschichten bevor es zu einer problematischen Situation kommt sowie die
Unterstützung mit Bildmaterial beeinflusst das Verhalten positiv. Der
Ansatz ähnelt dem der verhaltenstherapeutischen Methoden.
Ein wichtiger Schritt in die Selbstständigkeit
ist das Toilettentraining, bei
dem das Kind stufenweise an die Toilette gewöhnt wird.
Kombinierte Ansätze
Einige Therapien gehen auf verschiedene
der zuvor vorgestellten Theorien zurück.
Die Daily-
Life- Therapy wurde in Japan entwickelt. Durch physische Übungen
versucht man, das hohe Angstniveau autistischer Menschen zu reduzieren.
Dabei wird die Ausschüttung von Endorphinen bei anstrengenden körperlichen
Übungen ausgenutzt. Wissenschaftlich belegt ist eine Erhöhung der
Aufmerksamkeit. Gleichzeitig vermindert sich stereotypes Verhalten sowie
unangemessene Antworten.
Das TEACCH-
Programm sieht sich als
„Ansatz des strukturierten Lehrens und Lernens für Menschen mit
schwerwiegenden Problemen im perzeptiven, kommunikativen und interaktiven
Bereich.“[4] Die
Ursache des Autismus spielt keine Rolle. Statt dessen schafft eine ausführliche
Förderdiagnostik Aufschluss über den Istzustand. Die Entwicklung des
autistischen Menschen wird dann durch spezielle Lern- und Übungsangebote
gefördert. Auf der anderen Seite wird das Umfeld so strukturiert, dass
ideale Bedingungen zum Lernen vorherrschen. Das strukturierte Unterrichten
ist somit Kern der Therapie.
4. Anforderungen
an die Architektur von Wohneinrichtungen für autistisch behinderte
Menschen
In Wohneinrichtungen für autistisch behinderte Menschen muss
speziell auf die Bedürfnisse der Bewohner eingegangen werden. Nur bei
sehr guten Zusammenspiel von Therapiekonzept und baulichen Gegebenheiten
ist es möglich, den Lern- und Heilungsprozess optimal zu unterstützen.
Neben visuellen Faktoren spielen hierbei auch funktionale Aspekte eine
entscheidende Rolle.
Im Folgenden soll untersucht werden, inwieweit
architektonische Mittel dazu beitragen können, ein förderndes und
zugleich stabilisierend wirkendes Umfeld zu schaffen. Wohneinrichtungen für
autistische Erwachsene stehen hierbei im Mittelpunkt des Interesses.
Die Ausführungen gehen auf Fachliteratur sowie auf Gespräche
mit Mitarbeitern von Einrichtungen für autistisch behinderte Menschen zurück.
Des Weiteren wurden mit Hilfe eines Fragebogens 12 Wohnstätten
statistisch erfasst. Die Wohneinrichtungen Schloss Langenstein[5], Berlin
Nikischstraße[6] sowie
Berlin Börnestraße[7]
habe ich zudem besucht. Nähere Angaben zu Inhalt und Auswertung der
Fragebögen finden sich im Anhang.
4.1
Situation
autistisch behinderter Erwachsener in Deutschland
Die Situation für autistische Menschen und deren Angehörige
hat sich in den letzten Jahren verbessert.
Vor allem der Verein „Hilfe für das autistische Kind“ hat zahlreiche
Ambulanzen und Wohneinrichtungen gegründet. Dennoch ist die Situation im
Erwachsenenalter nach wie vor schwierig. Nur relativ wenige Einrichtungen
sind bereit und in der Lage, autistische Menschen stationär aufzunehmen.
Die Gründung spezieller Heime und Wohngruppen entlastet die Situation,
aber aufgrund der schwierigen finanziellen Situation und den komplizierten
Förderrichtlinien wird dies noch zu selten in Eigeninitiative in Angriff
genommen.
Derzeit werden durch den Verein „Hilfe für das autistische
Kind“ 21 Wohneinrichtungen mit etwa 280 Plätzen speziell für
autistische Erwachsene angeboten. Des Weiteren finden sich privat
organisierte Wohngemeinschaften sowie von gemeinnützigen Einrichtungen
getragene Wohnprojekte.
Da in Deutschland jedoch etwa 40.000 autistisch behinderte
Menschen leben ist das Angebot nach wie vor nicht ausreichend. Vor allem
wurde in vielen Einrichtungen nicht bedacht, dass autistische Kinder und
Jugendliche auch erwachsen werden und sich damit ihre Ansprüche an das
Wohnumfeld ändern.
4.2 Allgemeine Voraussetzungen für Wohneinrichtungen
In jeder Einrichtung müssen zunächst die Grundbedürfnisse
des autistischen Menschen nach Geborgenheit, Vertrautheit, Sicherheit und
Ruhe geschaffen werden. Die Bedingungen von Leben und Arbeiten müssen auf
die Behinderung zugeschnitten sein. Das oft verminderte soziale Verständnis
für viele Zusammenhänge des Alltags führt zu der Forderung nach ständiger
Erklärung, Anleitung und Unterstützung von Seiten der Betreuer.
Es
sollte ein überschaubarer Lebensbereich geschaffen werden. Kleine
Gruppengrößen, Einzelzimmer, Rückzugs- und Reizreduktionsmöglichkeiten
sind ebenso wichtig wie ein klar strukturierter Tagesablauf mit verständlichen
Anforderungen.
Generell wird bei Wohneinrichtungen für Behinderte vom
Normalisierungsprinzip ausgegangen. Dies besagt, dass alle
Lebensbedingungen so normal und durchschnittlich wie möglich sein
sollten. Nach Mahlke ergeben sich hieraus folgende Forderungen:
- Normaler Ortswechsel für die Tätigkeitsbereiche
Wohnen/ Arbeit/ Freizeit, damit verbunden Wechsel der jeweiligen
Bezugspersonen und Betreuer
- Normaler Jahresrhythmus, einschließlich
Urlaub, Reisen, kulturüblicher Feiertagsgestaltung
- Normaler Lebenslauf in
kulturell üblichen Sozialstrukturen, d.h. u.a. deutlicher Altersbezug des
Milieus, Kindheit und Familie oder familienanaloger Gruppe, in der
Jugendphase Trennung von Schulort und Wohnort (also möglichst keine
Heimsonderschule) und Freizeitkontakte an Orten, an denen sich Jugendliche
normalerweise aufhalten, intensive Vorbereitung auf das Erwachsenenalter,
Ablösung von der Familie, im Erwachsenenalter deutliche Milieuveränderung
gegenüber der Kindheit u.s.w.
- Weitgehende Berücksichtigung
von Wunsch, Willens- und Gefühlsäußerungen des Behinderten und
weitestgehende Beteiligung an sämtlichen Entscheidungen, die seine
Lebensumstände betreffen
- Normales Leben mit dem anderen
Geschlecht, alle Einrichtungen sollen für beide Geschlechter offen oder
zumindest zugänglich sein
- Normaler ökonomischer
Standard mit finanzieller Grundsicherung in Rentenform und zusätzlicher
leistungsgerechter Bezahlung der Arbeitsleistung
- Normalisierung sämtlicher Dienste
und Einrichtungen für Behinderte; sie müssen nach Größe, Lage und
Gestalt so sein, dass sie sich in die umgebende Nachbarschaft und Gemeindeöffentlichkeit
integrieren können“
Bei Wohneinrichtungen stehen Therapie und Förderung nicht im
Vordergrund. Dennoch müssen sie integraler Bestandteil des Konzeptes sein
und in die Gegebenheiten des täglichen Lebens eingebunden sein. Es soll
zu einer Verdeutlichung der sozialen Zusammenhänge kommen sowie eine Erhöhung
der Handlungskompetenzen erfolgen.
Eine spezielle Ausbildung für die Arbeit mit autistischen
Menschen gibt es nicht. Es ist daher wichtig, dass alle Mitarbeiter
besonders geschult werden. Ein praktischer Arzt sowie ein Psychiater
sollten möglichst fest zum Mitarbeiterstamm gehören. Außerdem müssen
auch Krisensituationen bewältigt werden, die eventuell zu einem höheren
Betreuungsaufwand führen. Jeder Bewohner benötigt einen Mitarbeiter als
stete Bezugsperson. Dieser ist der Vermittler zwischen dem Behinderten und
der Umwelt. In speziellen Situationen muss kurzfristig auch
Einzelbetreuung möglich sein.
Lage der Wohneinrichtungen
Entscheidend für die Realisierung des
Normalisierungsprinzips ist die Lage und Erreichbarkeit der
Wohneinrichtung. Nach Angaben des Vereins „Hilfe für das autistische
Kind“ handelt es sich beim Autismus um ein derart schwieriges Verhalten,
dass das Heim eher etwas außerhalb von Wohngebieten anzuordnen ist.
Befragungen verschiedener Wohneinrichtungen haben jedoch gezeigt, dass es
meist keine Probleme mit Anwohnern gibt.
Dennoch war festzustellen, dass vor allem Einrichtungen auf
dem Land eine besonders gute soziale Integration aufwiesen. In Schloss
Langenstein zum Beispiel dient das Heim zusätzlich als Begegnungsstätte
für Senioren. Außerdem besuchen Schulklassen regelmäßig die
Einrichtung. Dies fördert den Abbau von Vorurteilen und hilft den
autistisch behinderten Menschen zu lernen, Alltagssituationen zu meistern.
Die Lage im Grünen ermöglicht ausgedehnte Spaziergänge. Diese sind
besonders wichtig, da sie aggressives Verhalten mindern. Zudem werden
durch die Grünanlagen zusätzliche Therapieangebote wie zum Beispiel die
Reittherapie ermöglicht.
Auf der anderen Seite fördert die Lage in der Stadt eine größere
Selbstständigkeit der Bewohner, da sie nicht ständig auf Fahrdienste
oder den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind. Dies entspricht dem
Normalisierungsprinzip. Aber auch Probleme mit den Nachbarn sind
wahrscheinlicher. Zum einen entstehen sie aufgrund einer mögliche Lärmentwicklung
beispielsweise durch plötzliche Schreie und zum anderen fühlen sich
Anwohner allein durch die Anwesenheit autistischer beziehungsweise
behinderter Menschen gestört. Obwohl durch Medienberichte die Krankheit
Autismus in der Bevölkerung weitgehend bekannt ist, gilt es noch immer,
Vorurteile abzubauen. Zumeist wird die Wohnatmosphäre in städtischen
Gegenden als anonym beschrieben.
Generell lässt sich keine Aussage zur optimalen Lage einer
autistischen Einrichtung treffen. Vielmehr muss je nach Schwere des
Krankheitsbildes die richtige Wohnform und damit auch die Lage der Wohnstätte
für jeden autistischen Menschen individuell gefunden werden. Eine
entscheidende Rolle spielt dabei auch, in welchem Umfeld der Bewohner
aufgewachsen ist. Eine Milieuveränderung kann zu zusätzlichen
Belastungen führen.
Es sollten jedoch immer Geschäfte und Dienstleistungen
ebenso gut erreichbar sein wie Sportmöglichkeiten. Für größere
Freizeit- oder Kultureinrichtungen genügt eine Erreichbarkeit mit öffentlichen
Verkehrsmitteln. Ebenfalls ist zu beachten, dass mögliche Arbeits- oder
Praktikumplätze nicht zu weit entfernt sind.
Die Mehrzahl der befragten Einrichtungen befindet sich dörflichen
Gegenden beziehungsweise am Stadtrand. Etwa 1/4 der Wohnstätten liegen in
der Nähe der Innenstadt während sich nur sehr wenige direkt in der
Innenstadt befinden.
4.3 Beschaffenheit von Einrichtungsgegenständen und
Räumen
4.3.1 Räumliche
Anforderungen
Raumprogramm
Um eine Strukturierung im Tagesablauf zu
ermöglichen, ist es wichtig, die einzelnen Tätigkeiten ausschließlich
in den dafür vorgesehenen Räumen und zu festgelegten Tageszeiten auszuführen.
Würde man diesen Anspruch konsequent umsetzen, so wäre eine große Zahl
an Räumen notwendig. Bedingt durch Zweckmäßigkeit, Finanzierbarkeit
sowie das therapeutische Gesamtkonzept ist daher das Raumprogramm zu
optimieren. Je nach Art der Wohneinrichtung sind unterschiedliche Räume
erforderlich.
Das betreute Einzelwohnen entspricht dem
ganz normalen Wohnen in einer 1- bis 2- Zimmer- Wohnung und benötigt
daher keine besonderen Räumlichkeiten. Auch betreute Wohngruppen brauchen
lediglich die Einzelzimmer, Wohn- und Gemeinschaftsbereiche sowie Küche
und Sanitärzelle.
Im Gegensatz dazu stehen in Wohnheimen
auch Räume für Therapien und Mitarbeiter zur Verfügung. Je nach Angebot
sind unterschiedliche Arbeits- und Therapieräume vorzusehen,
beispielsweise für Musiktherapie, Korbflechten oder Holzarbeiten, oftmals
mit eigenem Sanitärbereich. Autistische Menschen verspüren einen Drang
nach Bewegungsfreiheit, dem in großzügig geplanten Gemeinschaftsräumen
nachgekommen werden sollte. Gleichzeitig besteht ein Bedürfnis nach Ruhe.
Rückzugsbereiche sind daher von ganz besonderer Bedeutung.
Des Weiteren sind Räume für die
Verwaltung notwendig, so zum Beispiel für die Heimleitung. Jede
Wohngruppe sollte mindestens ein Dienstzimmer für die Mitarbeiter haben.
Wird ein Nachtbereitschaftsdienst angeboten, so ist hierfür ein separater
Raum mit Bett erforderlich. Ein separater Raum für die Garderobe ist
empfehlenswert. Findet das An- und Ausziehen innerhalb der Gemeinschaftsräume
statt, so führt es zu unnötigen Unruhen und Stresssituationen.
In einigen Wohnheimen wird ein sogenannter
Time- out- Raum angeboten, in dem sich der Bewohner bei aggressiven Anfällen
beruhigen kann. In Gesprächen mit Mitarbeitern hat sich gezeigt, dass
solche Räume nicht zwingend erforderlich sind. Es ist auch möglich, den
Garten beziehungsweise das eigene Zimmer als Time- out- Raum zu nutzen.
Zusätzliche Räume zur Entspannung und sportlichen Betätigung sind zwar
wünschenswert, aber häufig aufgrund des begrenzten finanziellen
Spielraums nicht möglich. Einige Einrichtungen haben einen Snoozle- Raum,
in dem Lichtspiele und Wassergeräusche zur Entspannung führen sollen.
Jedoch ist zu hinterfragen, inwieweit sich der Bewohner, der meist an Reizüberflutung
leidet, in einem solchen Raum beruhigen kann. Stattdessen ist es günstig,
Möglichkeiten anzubieten, bei denen die eigenen Körpergrenzen erfahrbar
gemacht werden. Viele autistische Menschen empfinden es als besonders
angenehm, wenn sie fest gedrückt werden oder man ihnen Gewichte auf den
Bauch legt. Es sollte daher immer ein Bereich für gymnastische Übungen
oder zur Entspannung vorgesehen werden.
Ein oft vergessener Faktor ist der enorme
Abstellbereich, den eine autistische Einrichtung braucht. Möbel der
Zimmereinrichtung müssen schnell ausgetauscht werden, falls der Bewohner
sie nicht akzeptiert oder eigene mitbringt. Für Therapien und die
Freizeitgestaltung werden Arbeitsmaterialien benötigt. Außerdem häufen
sich im Laufe der Zeit private Gegenstände zum Beispiel durch Sommer- und
Winterkleidung, Fahrrad usw.
Sind die Bäder nicht groß genug, so ist
ein Raum für Waschmaschinen und Wäschetrockner vorzusehen.
Funktionale Gliederung
Autistische Menschen sollen in einem
reizarmen, klar gegliederten und überschaubaren Umfeld leben. Die
Wohneinrichtungen müssen daher einem logischen und nachvollziehbaren
Aufbau folgen. Die Raumfolgen sollten die entsprechenden Tätigkeitsabläufe
widerspiegeln und damit das Erlernen von Handlungskompetenzen fördern.
Donna Williams, selbst Autistin,
beschreibt in einem Interview ihre Erfahrungen mit Alltagssituationen und
–gegenständen sowie Architektur[9].
Sie macht deutlich, dass autistische Menschen eine besondere Vorliebe für
klare Strukturen und Symmetrien haben. Auf sie selbst üben besonders
Bibliotheken eine besondere Faszination aus. Die monotone Reihung der Bücherregale
sowie der Bücher in ihnen folgt einem strikten Ordnungsprinzip.
Wiederholende Muster geben ihr inneren Halt und erleichtern die
Orientierung.
Autistische Menschen benötigen oft
besondere Hilfestellung bei der Orientierung und dem Erkennen von Räumen.
Neben einer baulichen Hervorhebung können auch farbliche Akzente unterstützend
wirken. So ist es vorstellbar, Türen je nach Funktion besonders zu
betonen oder an den Räumen erklärende Piktogramme anzubringen. Dennoch
ist zu bedenken, dass visuelle Eindrücke bei weitem nicht so einprägsam
sind wie akustische und haptische. So ist zum Beispiel eine alte,
knarrende Tür bei der Orientierung ganz besonders hilfreich.
Raumhöhen
Nicht zu vergessen ist die dritte
Dimension von Räumen. Nicht nur Wände und Fußboden definieren einen
Raum, sondern auch die Höhe. In einem der Erfahrungsberichte wurde
gesagt, dass der autistische Sohn einen ganz besonderen Reiz an hohen Räumen
verspüre. Schon allein die nicht verkleidete Decke mit sichtbaren
Holzbalken im Elternhaus übe eine große Faszination aus. Überlegenswert
ist es, solche Phänomene in Gemeinschaftsräumen auszunutzen.
Differenzierte Raumhöhen helfen, die
Funktion einzelner Räume besser zu erkennen. Orte der Kommunikation und
der gemeinsamen Tätigkeiten können durch höhere Decken betont werden während
Rückzugsbereiche eher höhlenartig niedriger ausgebildet sind. Dabei
spielt neben der Raumhöhe auch die Art der Deckengestaltung eine Rolle.
4.3.2
Gestaltung und Ausstattung der einzelnen Bereiche
Alle Wohneinrichtungen sollten den
vorherrschenden Standards entsprechen. Zudem muss die
Heimmindestbauverordnung eingehalten werden. Die derzeitig gültige
Fassung stammt vom 03.05.1983 und wurde zuletzt 1990 geändert.
Vor allem in größeren Heimen trifft man
häufig eine Überdimensionierung des Sanitärbereichs an. Ebenso wie die
übermäßige Verwendung pflegeleichter Materialien und Möbel fördert
dies die vorurteilsbehaftete Vorstellung über Behinderung. Die autistisch
behinderten Menschen lernen nicht, mit Alltagssituationen umzugehen. Abzuwägen
ist auf der einen Seite die Risikoreduktion mit dem Normalisierungsprinzip
auf der anderen Seite und dem im sozialen Bereich weitverbreiteten Förderoptimismus.
Nach Donna Williams´ Aussage[10]
führt nicht ein einzelner Reiz zu einer Wahrnehmungsstörung, sondern
vielmehr das Nebeneinander verschiedener Dinge. So seien beispielsweise
ein laufender Fernseher, ein raschelnder Vorhang und ein besonderes
Tapetenmuster für sich allein nicht problematisch, jedoch die Tapete bei
laufendem Fernseher und raschelndem Vorhang überfordern die
Reizverarbeitung.
Das Gehirn ist nicht in der Lage,
wesentliche von unwesentlichen Dingen zu unterscheiden. Alles werde als
gleichwertig angesehen- egal ob gerade eine Person spricht oder ein Vogel
am Horizont vorbeifliegt.
Daraus lässt sich schlussfolgern, dass
grundsätzlich jede Ausstattung oder Gestaltung möglich ist, solange sie
dem Prinzip der Reizarmut folgt. Es ist jedoch wichtig, dass bei allen
Einrichtungsgegenständen deren Konstruktion und Funktionsweise deutlich
wird. So ist es zu empfehlen, Stühle zu verwenden, deren Sitzfläche,
Lehne und Stuhlbeine klar voneinander zu unterscheiden sind. Außerdem
erweist es sich als ungünstig, wenn sich die Stuhlbeine nach außen
abspreizen, da dies nur schlecht wahrgenommen wird.
Einzelzimmer
Die Zimmer sind Schutz- und Rückzugsraum
zu jeder Tageszeit. Dadurch wird unter anderem die Reizüberflutung eingedämmt.
Es ist deshalb zwingend erforderlich, ausschließlich Einzelzimmer
anzubieten.
Das Zimmer muss zu spontanem Handeln und
Kreativität ebenso einladen wie es Platz für Ruhe bieten soll. Eigene
Gestaltungsmöglichkeiten sind hierbei wichtig- angefangen vom Mitbringen
eigener Möbel bis hin zu der schlichten Forderung nach beliebiger
Anordnung der Einrichtung im Raum. Nach Mahlke[11]
ist dafür eine Grundvoraussetzung, dass Räume nicht architektonisch
vordefiniert werden. Wird der Raum durch Bildung eines Mittelpunkts, einer
festen Symmetrie oder starren Begrenzungen aufgrund von Einbauten
festgelegt, so wirken hinzukommende Gegenstände uneins mit dem Konzept
des Raumes.
Nach der Heimmindestbauverordnung, Fassung
1983, wird eine Zimmergröße von 12m² gefordert. Durchschnittlich haben
die Zimmer der befragten Einrichtungen eine Größe von 13m². Der Entwurf
für eine neue Heimmindestbauverordnung von 2001 sah eine Mindestzimmergröße
von 16m² vor, ist aber nicht beschlossen worden.
Abb. 1 Größe der Einzelzimmer in den befragten
Wohnstätten in [m²]
Zimmereinrichtung
Individualität und Normalität der
Zimmereinrichtung sind wichtig. Neben der üblichen Ausstattung mit Bett,
Tisch, Stühlen, Schränken usw. sollten auch eigene Gegenstände und Möbel
mitgebracht werden können. Dieses Angebot wird in allen befragten
Einrichtungen genutzt. Je nach Vorlieben der Bewohner erfolgt eine
Ausgestaltung des Zimmers mit Gardinen, Teppich und Bildern. Außerdem
werden häufig Musikanlagen und PC mitgebracht. Die Grundausstattung wird
meist durch das Sozialamt gestellt.
Die Gestaltung der Zimmer zeigt sich in
der Praxis als äußerst unterschiedlich. Während einige Bewohner den
Raum nur karg ausstatten, sammeln andere viele Kleinigkeiten und
Schnickschnack an. Gerade hier zeigt sich die Individualität des
Einzelnen.
Um das Erlernen von Handlungsabläufen zu
unterstützen, werden oft Piktogramme oder Bildgeschichten verwendet.
Hierfür muss ein geeigneter Platz vorgesehen werden. Als ungünstig hat
sich herausgestellt, solche Tafeln an den Türen anzubringen. Zum einen
richtet sich der Blick meist ins Zimmer hinein, zum anderen stehen die Türen
oft offen, so dass Piktogramme u.ä. nicht wahrgenommen werden können.
Je nach Bewohner ergeben sich ganz
unterschiedliche Ansprüche an die Ausstattung. So gab es zum Beispiel in
der Wohnstätte 1, Berlin Nikischstraße einen Bewohner, der in das
Holzbett gebissen und gekratzt hat. Kurzfristig musste dies durch ein
Stahlrohrbett ausgetauscht werden. Ein anderer hatte eine Aversie gegen Nägel
in der Wand. Alle Bilder mussten daher entfernt werden.
Hier zeigt sich die Bedeutung von hoher
Flexibilität in der Ausstattung. Die Zimmereinrichtung muss stabil und
robust sein. Auf besondere Belastbarkeit ist zu achten.
Wohnbereich/ Gemeinschaftsraum
Der Wohnbereich dient der Kommunikation
sowie als Ort für gemeinsame Tätigkeiten.
Funktionalität und eine einfache
Strukturierung sind besonders wichtig. Der Wohnraum sollte in mehrere
kleine Bereiche aufgeteilt werden, die miteinander korrespondieren aber
dennoch baulich abgeteilt sind. Beispielsweise kann man Beschäftigungs-,
Musik- und Ruhebereiche voneinander trennen. Autistische Menschen möchten
sich gelegentlich zurückziehen, auch ohne den Raum zu verlassen. Dennoch
ist eine distanzierte Teilnahme am Geschehen durch die Zonierung möglich.
Überlegenswert ist es auch, dies durch Spiegel zu gewährleisten. Auf
Glasflächen im Innenbereich sollte jedoch verzichtet werden. Als günstige
Trennelemente erweisen sich offene Regale oder andere Möbel.
Aufgrund des Krankheitsbildes besteht kein
Bestreben der Bewohner, Zeit gemeinsam zu verbringen. Die Freizeit wird häufig
im eigenen Zimmer gestaltet. Der Wohnbereich muss deshalb besonders zum
Aufenthalt animieren. Eine räumliche Trennung von Zimmer- und
Gemeinschaftsbereich in zwei unterschiedlichen Etagen wie in Schloss
Langenstein ist überlegenswert. Auch optische und akustische Mittel sowie
Aromastoffe bewirken eine aktivierende und entspannende Atmosphäre. Ein
innenliegender und daher dunkler Gemeinschaftsraum wie in der Wohnstätte
1, Berlin Nikischstraße, hat sich als ungünstig herausgestellt.
Die gestützte Kommunikation benötigt
ebenso wie das normale Gespräch ein geeignetes Umfeld. In den
besichtigten Einrichtungen befinden sich die Computerplätze meist
„zwischen Tür und Angel“ oder in dunklen Raumecken. Schon frühzeitig
ist in der Planung von Gemeinschaftsräumen Ort und Gestaltung der
Bereiche für die gestützte Kommunikation zu bedenken.
Da der Gemeinschaftsraum von alle
Bewohnern zusammen genutzt wird, muss sich in der Gestaltung nach jedem
Einzelnen gerichtet werden. Es ist zu überlegen, in wieweit Gardinen,
Teppiche und Bilder als Grundausstattung zweckmäßig sind. Dies hängt in
großem Maße vom Therapiekonzept der Einrichtung ab. Besonders wichtig
ist im Gemeinschaftsraum ein ausreichender Schallschutz.
Nach der Heimmindestbauverordnung wird
eine Fläche von mindestens 20m² beziehungsweise bei mehr als 20
Bewohnern von 1m² je Bewohner gefordert. Die durchschnittliche Größe
des Gemeinschaftsbereiches in den befragten Wohnheimen liegt mit 30m²
deutlich über den Mindestwerten. In betreuten Wohngruppen gelten diese
Mindestbestimmungen nicht.
Abb. 2 Größe der Gemeinschaftsräume in den befragten
Wohnstätten in [m²]
Küche
In der Küche gelten besondere
Sicherheitsvorkehrungen. Alle Schränke müssen abschließbar sein. Auch
der Raum selbst darf nur unter Aufsicht betreten werden. Autistische
Menschen haben häufig kein Gefühl für Hunger oder Sättigung, so dass
sie ständig essen würden. Induktionsplatten als vorbeugender
Verbrennungsschutz sind sinnvoll.
Da das Kochen oder Tischdecken Teil des Förderprogramms
ist, muss ausreichend Platz in der Küche vorhanden sein. In ¾ der
befragten Einrichtungen kochen die Bewohner selbstständig oder unter
Anleitung. Eine funktionale Gliederung erleichtert auch hier das Erlernen
von Handlungsabläufen.
Einige Autisten reagieren sehr empfindlich
gegenüber Gerüchen. Es ist deshalb auf einen ausreichend großen Abzug
sowie natürliche Entlüftung zu achten. Besonders in der Küche spielt
die Reinigung eine wichtige Rolle. Mobiliar, Fußboden sowie Wandbereiche
müssen pflegeleicht sein.
Die Küchen der befragten Einrichtungen
sind zwischen 10 und 45m² groß, wobei die letzteren in den
Gemeinschaftsbereich integriert sind. Durchschnittlich beträgt die Größe
etwa 15m².
Abb.
3 Größe der Küchen in den befragten Wohnstätten in [m²]
Essbereiche
Das Essen erfolgt meist in Essbereichen,
die der Küche angegliedert sind oder sich im Gemeinschaftsraum befinden.
Auch in den Einzelzimmern wird gegessen. Nach Angaben des Vereins „Hilfe
für das autistische Kind“ haben sich kleine Gruppen verteilt auf
mehrere Tische mit je 2 bis 4 Personen bewährt. Meist isst die gesamte
Wohngruppe gemeinsam. Ein zu großer Essbereich erzeugt jedoch
Stresssituationen und Reizüberflutung.
Abb. 4 Anzahl der
Bewohner und Mitarbeiter, die gemeinsam essen
Findet das Essen ist Räumen statt, die
eigentlich einer anderen Funktion dienen, so ist eine bauliche und
optische Trennung sinnvoll. Autistische Menschen sollten nicht von ihrer
momentanen Aufgabe beziehungsweise Tätigkeit abgelenkt werden.
Je nach Bewohner ist ein gemeinsames Essen
eventuell gar nicht möglich. Platz für Einzeltische muss deshalb
vorgesehen werden. Auch hier bietet sich die Verwendung von Spiegeln an,
um den Bewohner jederzeit am Geschehen teilhaben zu lassen.
Sanitärbereiche
Entweder sind die Nasszellen jedem Zimmer
zugeordnet oder sie werden von mehreren, in der Regel drei bis vier,
Bewohnern gemeinsam genutzt. Sanitärräume sollten so gestaltet sein,
dass sie eine beruhigende und harmonisierende Wirkung ausstrahlen. Die
Funktionalität steht nicht allein im Vordergrund. Während des
Toilettentrainings bezieht man häufig den Sanitärraum sogar in den
Wohnbereich mit ein.
Die Sanitärbereiche bereiten besondere
Probleme bezüglich der Wahrnehmung. Die monotone Struktur der Fliesen
sowie gleichartige Farbigkeiten führen dazu, dass die Raumgrenzen nicht
eindeutig definierbar sind sowie Entfernungen nicht richtig eingeschätzt
werden. Alle Raumgrenzen müssen hier besonders kenntlich gemacht werden.
Ein dunkler Fußboden vermittelt den Eindruck einer sicheren Grundlage.
Herkömmliche Badewannen haben sich für
einige Bewohner der Wohnstätte 1, Berlin Nikischstraße, als großes
Hindernis herausgestellt. Neben dem oben beschriebenen Phänomen der
Fehleinschätzung von Entfernungen ist der Einstieg so hoch, dass schwerfälligere
Menschen ohne Hilfe die Badewanne beziehungsweise Dusche nicht benutzen können.
Wichtig ist, einen zusätzlich
absperrbaren Bereich für Waschmaschinen und Trockner sowie
Reinigungsmittel vorzusehen. Hier sollte auch ein großer Ausguss
vorhanden sein.
Die Wasserleitungen müssen separat
abgesperrt werden können. Ein Überlaufschutz beziehungsweise Bodenablauf
sowie eine Wassersperre zu anderen Räumen ist erforderlich. Eventuell ist
auch der Flurbereich vor der Nasszelle wasserfest auszuführen.
Es muss dem Personal jederzeit möglich
sein, den Sanitärbereich zu betreten auch wenn sich ein Bewohner
eingeschlossen hat. Entsprechende Schlösser sind deshalb einzuplanen.
Verkehrszonen
Nach Mahlke sollten Verkehrszonen nicht
betont werden, sondern ein Innehalten, Beobachten und Wohlbefinden
hervorrufen. Sie haben eine wichtige Orientierungsfunktion. Es muss möglich
sein, sich ohne Probleme im Gebäude zurechtzufinden. Eine Gliederung
durch Farben und Materialität ist ebenso wichtig wie eine unterstützende
Lichtführung. Wie bei anderen Gebäuden gilt hier der Grundsatz, dass
Flure nicht zu lang und dunkel sein sollten. Jedoch führen nach Mahlke
Oberlichter zu dem Ergebnis, dass der Gang als länger empfunden wird als
wenn er unbelichtet wäre. Dies wiederum bewirkt Unbehagen. Erweiterte
Verkehrsflächen oder Inseln können als Orte der Kommunikation dienen und
zudem die Orientierung erleichtern. Zu Bedenken ist aber, dass autistische
Menschen kein Bedürfnis zur Kommunikation verspüren.
Alle Verkehrsflächen sollten großzügig
ausgelegt werden, um jederzeit eine Distanz zum anderen zu gewährleisten.
Eine optische Vergrößerung der Gangbreite kann durch unterschiedliche
Farbigkeiten der Wandabschnitte erreicht werden. Ist der untere
Wandbereich heller als der obere, so empfindet man den Gang breiter.
Zu bedenken ist die Lage der
Lichtschalter. In Schloss Langenstein befinden sie sich nur in den Diensträumen
sowie außerhalb der Wohngruppen. Die Flure selbst haben keine
Lichtschalter. Es wurde die Erfahrung gemacht, dass die Bewohner sonst ständig
das Licht an- und ausschalten. Bewegungsmelder können hierzu eine
Alternative darstellen, da der Wechsel von Hell zu Dunkel zeitverzögert
stattfindet. Andere Wohneinrichtungen haben jedoch keine Probleme diesbezüglich
festgestellt.
Time- out- Raum
Der Time- out- Raum dient der Beruhigung
des Bewohners bei aggressiven Anfällen. Nur etwa ein Drittel der Wohnstätten
haben jedoch einen solchen Raum. Meist werden das eigene Zimmer oder der
Garten stattdessen als Time- out- Raum genutzt. Seine Größe schwankt in
den befragten Einrichtungen zwischen 9 und 35m², wobei die größeren
jedoch als Snoozle- Räume eingerichtet sind. Üblicherweise ist der Time-
out- Raum eher klein.
Noch stärker als in den sonstigen Räumen
ist auf Reizarmut zu achten. Gepolsterte Wände vermindern die
Verletzungsgefahr und wirken sich günstig auf den Schallschutz aus. So
bietet es sich zum Beispiel an, den Time- out- Raum mit Schaumstoffmatten
auszulegen. Aber auch andere weiche Materialien sind denkbar. Eine Möblierung
des Raumes ist nicht sinnvoll. Der Betroffene muss sich hier austoben können,
ohne sich selbst oder anderen zu schaden.
Sicherheitsvorkehrungen
Es ist bei der Planung zu beachten, dass
autistische Menschen häufig Einrichtungsgegenstände zerstören. Alle
Oberflächen sollten daher stabil und robust sein. Höhere
Anschaffungskosten können eventuell entstehende Folgekosten minimieren!
Während in den betreuten Wohngruppen
selbstständige Autisten leben, gibt es in den Wohnheimen auch Menschen
mit gerichtlichem Einschließungsbeschluss. Hier muss der Wohnbereich
selbstverständlich abschließbar sein.
Die Sicherheit der Bewohner ist immer zu
gewährleisten. Vor allem Geländer müssen so konstruiert sein, dass sie
auf keinen Fall überklettert werden können. Auf Treppenaugen ist deshalb
wenn möglich zu verzichten. Balkone sind gänzlich ungeeignet.
Stattdessen sind architektonisch
interessante Lösungen auch mit anderen Materialien möglich. So können
triste Metallstäbe durch Holzpfosten ersetzt werden oder durchscheinende
Gitterroste verwendet werden.
4.3.3
Innenarchitektur
Autistische Menschen haben eine besondere
Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitung. Darauf ist bei der
Innengestaltung zu achten. Die Meinungen bezüglich der Art der
Innenarchitektur gehen auch unter den Wohneinrichtungen für autistische
Menschen stark auseinander. Je nach Therapiekonzept muss die Frage
gestellt werden, inwieweit dem Bewohner in seinem Krankheitsbild entgegen
gekommen wird oder er stattdessen auf Alltagssituationen vorbereitet
werden soll. Rücksichtsnahme und Normalisierungsprinzip müssen genau
abgewägt werden.
Farbe
Die räumliche Umgebung soll zur
Stabilisierung beitragen. Nach Mahlke besitzen empfindsame Menschen wie
beispielsweise Autisten eine Vorliebe gegenüber Farben. Sie erleben die
Umwelt nicht vom Gegenständlichen sondern frei vom Allgemeinverständnis
des Nutzens. Farben spielen ebenso wie Schatten daher eine besondere
Rolle. Oft werden Farben jedoch als aggressiver empfunden. Der Farbklang
eines Raumes sollte zwar ausgewogen und reizarm sein, muss aber auf
Akzente nicht verzichten. Besonders die Materialfarbigkeit lässt sich gut
ausnutzen. Wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirkung von Farben auf das
Befinden autistischer Menschen gibt es derzeit nicht.
Farbige Elemente unterstützen die
Orientierung im Gebäude. So ist es sinnvoll, den Fußbodenbelag der
Gemeinschaftsräume anders zu gestalten als den der Zimmer. Auch kann man
Ein- und Ausgänge farbig markieren.
Farbe spielt im Zusammenhang mit der
Sicherheit eine Rolle. Nicht eindeutige Raumelemente können durch Farbe
betont und damit sicherer gemacht werden. Beispielsweise sind
Treppenstufen zu markieren oder wie schon beschrieben Teile der Sanitärbereiche.
Materialien
Die Materialien aller Oberflächen müssen
in erster Linie robust oder leicht austauschbar sein. Obwohl die befragten
Einrichtungen zumeist auf altbewährte Materialien wie Raufasertapete und
PVC- Fußboden zurückgegriffen haben, bestehen kaum Einschränkungen in
Bezug auf die Materialwahl. Holzverkleidungen sind ebenso möglich wie
Korkfliesen. Vor allem in der überlegten Materialwahl sehe ich eine
Chance, die oft entstehende sterile Atmosphäre der Wohnbereiche zu
entkrampfen.
Beim „Würzburger Modell“ nach Mahlke
wird versucht, mit Massivholzeinbauten erkennbare Strukturen zu schaffen,
die „vom äußeren Halt zum inneren Halt“[12]
führen. Sie helfen, Räume auf ein menschliches Maß zurückzuführen und
sie zu gliedern. Dies wiederum bringt Stabilität und Klarheit.
Unterschiedliche Materialien regen den
Tast- und Fühlsinn an und somit die Wahrnehmung im Allgemeinen. Die
basale Körpererfahrung wie zum Beispiel beim Barfußlaufen kann gefördert
werden.
Auf Glasflächen sollte im Innenbereich
verzichtet werden. Sie irritieren häufig, da sie unter bestimmten
Blickwinkeln unsichtbar sind beziehungsweise flackern und reflektieren.
Glasflächen führen zu nicht klar definierten Räumen. Innere und äußere
Bereiche vermischen sich. Wenn Glas eingesetzt wird, so sollte es sich um
Sicherheitsglas handeln. Je nach Bewohner führt auch der Einsatz von
Plexiglas zu Problemen. In Schloss Langenstein wurden in einer Wohngruppe
die Plexiglas- Verkleidungen der Feuerlöscher so oft beschädigt, dass
sie schließlich durch eine Metallverkleidung ausgetauscht werden mussten.
In der zweiten Wohngruppe jedoch gab es keine Schwierigkeiten. Dieses
Beispiel zeigt, dass sich nur schwer allgemeingültige Aussagen zu günstigen
und ungünstigen Materialien machen lassen. Je nach Bewohner und Schwere
des Krankheitsbildes sind unterschiedliche Entscheidungen zu treffen.
Licht
Licht und Lichtführung sind für die
Wahrnehmung von Räumen ganz besonders wichtig. Hierbei ist zwischen
Tageslicht und künstlichem Licht zu unterscheiden.
Während Tageslicht durch seinen Verlauf
eine Dynamik im Raum bewirkt führt künstliche Beleuchtung zu statischen
Erscheinungen. Licht verändert die Farbe von Materialien, bewirkt
Schatten und Plastizität und äußert sich in der Stimmung eines Raumes.
Dies wirkt sich anregend auf die Wahrnehmung der Umgebung aus.
Je nach Funktion sollte ein Raum
unterschiedlich ausgeleuchtet werden. Rückzugsbereiche benötigen Intimität,
die durch dunkle Lichtverhältnisse erreicht wird. Im Gegensatz dazu fördern
helle Bereiche die Kommunikation. Eine flexible Beleuchtung an mehreren
Stellen im Raum ist daher empfehlenswert und dient außerdem der
funktionalen Gliederung der Räume. Direkte Beleuchtung führt oft dazu,
dass autistische Menschen permanent in die Lichtquelle starren, um so
einen besonderen Reiz auf die Augen zu bewirken. Soweit möglich ist
deshalb eine indirekte Beleuchtung einzuplanen.
Autistische Menschen arbeiten häufig zurückgezogen
am Tisch. Beispielsweise führen sie Faltarbeiten aus oder stellen Bilder
aus Papierschnipseln her. Dringend erforderlich ist deshalb eine
ausreichende Arbeitsplatzbeleuchtung in den Zimmern.
Auch der Sonnenschutz sollte genau
durchdacht sein. Innenjalousien bewirken in besonderem Maße eine Verstärkung
der Umweltreize. Zum einen treten zahlreiche Lichtreflexe auf und zum
anderen entstehen zusätzliche Geräusche. Außenjalousien sind zwar günstiger
in Bezug auf die Geräuschentwicklung, aber aufgrund des unsteten
Lichtdurchlasses ebenfalls nicht zu empfehlen. Eine gute Lösung stellen
transparente oder blickdichte Rollos dar.
Nicht zu vergessen ist die Beleuchtung als
Mittel der Gefahrenwarnung und Sicherheit. Nähere Angaben sind in der
Bauverordnung zu finden.
Geräusche
Autistische Menschen reagieren oft überempfindlich
gegenüber Geräuschen. Obwohl dieser Effekt im Alter nachlässt, ist er
nie völlig verschwunden. Schallschutz wird fast immer zu wenig in der
Planung bedacht. Selbst alltägliche Geräusche wie Straßenlärm oder das
Ticken eines lauten Weckers können bei autistischen Menschen zu einer
Reizüberflutung führen. Auch mehrere Geräuschkulissen nebeneinander überfordern
die Reizaufnahme.
Vor allem im Wohnbereich ist daher auf
ausreichend Schallschutz zu achten. Dies ist besonders beim Einsatz von
Trockenbauwänden zu bedenken. Ohne zusätzliche Schallschutzmaßnahmen
sind sie für autistische Einrichtungen ungeeignet.
Neben einer baulichen Trennung
verschiedener Funktionsbereiche ist auch eine akustische Trennung
notwendig. Küche, Essen und Wohnen sollten in unterschiedlichen Räumen
stattfinden, um eine Unruhe in der Gruppe zu vermeiden. Es ist günstig,
den Fernseher in einen separaten Raum zu stellen, damit er nicht bei allen
Tätigkeiten im Hintergrund stört.
Nicht zuletzt der Therapiebereich muss
besonders schallgeschützt ausgebildet werden. Obwohl in Arbeits- und
Werkstattbereichen häufig an Sichtschutz gedacht wird, ist der
Schallschutz ein vernachlässigter Faktor. Die verwendeten Wände führen
zu einer optischen Trennung, nicht aber einer akustischen!
5.
Zusammenfassung
Der Bedarf an Wohnstätten für autistisch
behinderte Menschen steht in keinem Verhältnis zum derzeitigen Angebot.
Viele müssen aufgrund mangelnder Möglichkeiten im Elternhaus bleiben
bzw. in Einrichtungen leben, die nicht speziell autistische Menschen
betreuen. Dies führt zu einer verminderten Lebensqualität der
Betroffenen.
Es ist anzunehmen und zu hoffen, dass in
Zukunft zahlreiche Wohnstätten eigens für autistisch behinderte Menschen
geschaffen werden- sowohl durch Umnutzung bestehender Gebäude als auch
durch Neubauten. Allein in den neuen Bundesländern werden im kommenden
Jahr drei solcher Wohnstätten neu eröffnet.
Wie schon mehrfach erwähnt ist es kaum möglich,
generelle Aussagen zu baulichen Anforderungen an Wohneinrichtungen für
autistische Menschen zu treffen. Je nach Ausprägung des Krankheitsbildes
der Bewohner muss jede Wohnstätte individuell geplant werden. Allgemeingültige
Faktoren sind jedoch der Anspruch auf funktionale und logische Gliederung
aller Bereiche, der Reizarmut sowie eines ausreichenden Schallschutzes.
Besonderes sorgfältig muss die Ausführungs-
und Detailplanung durchgeführt werden. Eine Reizreduktion sowie der
Einsatz robuster Materialien stehen im Vordergrund. In verschiedenen
Wohnstätten für autistisch behinderte Menschen hat sich gezeigt, dass
die gedankenlose Anwendung der Standardausstattung zum Beispiel für Bäder
zu Problemen führt, die sich später nur unter hohem Kostenaufwand
beheben lassen. Je früher solche Faktoren in die Planung einfließen,
desto günstiger wirkt sich dies sowohl auf die gestalterische Wirkung als
auch auf die Finanzierbarkeit aus. Ein hohes Maß an Flexibilität der
Ausstattung ermöglicht es zudem, auf neue Verhaltensmuster der Bewohner
schnell zu reagieren.
Eine ganz besonderen Stellenwert in der
Planung nehmen Erfahrungswerte ein. Im Vorfeld lässt es sich nur schwer
voraussagen, wie die Bewohner auf bestimmte bauliche Gegebenheiten
reagieren werden. Bestehende Wohnstätten werden daher ständig umgebaut
bzw. neu eingerichtet um beispielsweise Gefahrenquellen zu beseitigen oder
die Bewohner besser zu fördern. Der Erfahrungsaustausch zwischen den
verschiedenen Wohnstätten ist derzeit jedoch unzureichend. Vielmehr
versucht jede Einrichtung ein eigenes Konzept zu finden. Wünschenswert wäre
es daher, ein Forum zum Erfahrungsaustausch einzurichten, das jeder
Bauaufgabe vorausgeht. Dadurch ließen sich häufig auftretende Probleme
vermeiden und günstige Lösungen gemeinsam finden. Dies würde neben
einer Erhöhung der Lebensqualität der Betroffenen auf lange Sicht auch
zu einer Kostenreduktion führen.
Literaturverzeichnis
[1] KEHRER, Hans E: „Autismus- Diagnostische,
therapeutische und soziale Aspekte“, Heidelberg, 1995 [SLUB- Standort: 3200
80212 001]
[2] WEISS, Michaela: „Autismus- Therapien im Vergleich, Ein Handbuch für
Therapeuten und Eltern“, Spiess, 2002 [SLUB- Standort: DT 7200 W431]
[3] MAHLKE, Wolfgang: „Wohnen als Lebenshilfe- Ein Arbeitsbuch zur
Wohnfeldgestaltung in der Behindertenhilfe“, 2. Auflage, Weihheim, 1992
[SLUB- Standort: DT 1000 M214 (2)]
[4] SCHIRMER, Brita: „Autismus in Berlin- Ein Handbuch und Ratgeber mit
Beiträgen zahlreicher Fachleute“, Berlin, 2002
[5] BUNDESVERBAND „HILFE FÜR DAS AUTISTISCHE KIND“; VEREINIGUNG ZUR FÖRDERUNG
AUTISTISCHER MENSCHEN; E.V. (Hrsg.): Diagnose?- Autismus!- Was tun?,
Leben- Wohnen- Arbeiten autistischer Erwachsener, Leitfaden für
Wohneinrichtungen“, Hamburg, 2000
[6] BUNDESVERBAND „HILFE FÜR DAS AUTISTISCHE KIND“; VEREINIGUNG ZUR FÖRDERUNG
AUTISTISCHER MENSCHEN E.V. (Hrsg.): „Leitlinien für die Arbeit in
Therapiezentren für Menschen mit Autismus“, 2. Auflage, Stade, 2000
[7] STIFTUNG ATTL (Hrsg.): „Wohnheim für Menschen mit Autismus, Casa
Rossa“ (Broschüre der Stiftung)
[8] SAT1 SPIEGEL TV- SPECIAL REPORTAGE: 1997 (Auszüge veröffentlicht in:
http://www.autismus-news.de/Donna.html,
28.04.2003)
[9] http://www.geroweb.de/altenheim/heimmindestbauverordnung.html:
Heimmindestbauverordnung Stand 1983, 21.01.2003
[10] HTTP://WWW.ADELPHOS.DE/DOWNLOADS/AUTISMUS.PDF:
21.01.2003
[9]
[8] SAT 1 Spiegel- TV- special- Reportage
[9]
[8] SAT 1 Spiegel- TV- special- Reportage[9]
[3] Wohnen als
Lebenshilfe
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